1933-1945

der CVJM im “Dritten Reich”

Schon bald erfolgten die bekannten Angriffe der Nationalsozialisten, die zu einem drastischen Mitgliederschwund führten. Bis Oktober 1933 traten neun Mitglieder aus. Die meisten schlossen sich – wie auch die gesamte Jungschar – der Hitlerjugend an. Die Verbliebenen hatten schwere Zeiten durchzustehen. So demolierte ein Stammführer des „Deutschen Jungvolkes in der HJ“ dreimal hintereinander den Aushängekasten des CVJM. Erst nach einer Anzeige, die die Staatsanwaltschaft Tübingen verfolgte, erklärte der Jungbannführer „Alb“, daß er „den Kampf mit nichtgeistigen Waffen, insbesondere Kästen-Einschlagen“ ablehne und verbiete.

Die großen Pläne waren nun vorbei. Um einer drohenden Enteignung durch die neuen Machthaber zu entgehen, war das Grundstück in den Angelgärten am 27. Dezember 1933 an zwei treue Mitglieder des Vereins weiterveräußert worden.

Christliche Jugendarbeit war nun nur noch unter erheblichen Einschränkungen möglich: nur in kircheneigenen Räumen, ortsgebunden, oft von Schikanen begleitet und auf Freizeiten von der Gestapo überwacht. Sport und Spiele durften gar nicht mehr stattfinden. Ein Brief, den der Vorsitzende Stephan 1933 von der Landesleitung des Jungmännerbundes erhielt, nannte in einer abschließenden Passage das maßgebliche Motiv des christlichen Widerstandes und des Weitermachens. Es heißt dort: „ … wir wollen unsere jungen Freunde daran erinnern, daß wir nicht erst seit heute, sondern schon lange für Volk und Vaterland eintreten, aber Bürger zweier Welten sind.“ So klein die Schar geworden war, man ließ es sich nicht nehmen, daß es über dem „Führer des Reiches“ einen weiteren Herrn gab, dessen Frohe Botschaft am Ende bindend ist. Danach handelten die verbliebenen Mitglieder der „Bubenjungschar“: Jungvolkveranstal-tungen besuchten sie nur parallel, sahen sich allerdings dem Gespött der anderen ausgeliefert, da sie einer christlichen Gruppe angehörten.

Die Nationalsozialisten versuchten auch, den Posaunenchor in den Dienst der „Bewegung“ zu stellen. Anders als in anderen Orten widerstand der hiesige Posaunenchor dem Werben der örtlichen SA-Abteilung. Immanuel Pfisterer begründete die Weigerung damit, daß sie keine Märsche spielen könnten. Allerdings blieb der Chor auch nicht vom nationalsozialistischen Zeitgeist verschont, einige Mitglieder traten aus – es blieb ein Stamm von 13 Bläsern.

Fritz Stephan führte den Verein bis 1941, dann ruhte die Vereinsarbeit der jungen Männer weitgehend: Stephan scharte zuletzt noch eine Gruppe von 10 Mitgliedern um sich, von denen vier in jenem Jahr im Zweiten Weltkrieg zu Tode kamen.